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Du schaffst das!

15.11.2021

Ein Bericht von N. Böhm

Das freie Betätigen (die Freiarbeit) der Kinder sollte nie zu kurz kommen!

Die Auswahl einer möglichst vielfältigen und somit abwechslungsreichen Materialerfahrung lässt sich mit wenigen Mitteln gestalten und variieren. So lassen sich beispielsweise getrocknete Linsen in einer großen Wanne oder Schüssel mittels unterschiedlichen Gefäßen, Döschen, Muggelsteinen oder selbst Ü-Ei-Schalen zu immer neuen Forscherplätzen arrangieren.

Sieht und hört man den Kindern während ihrer Freiarbeit zu, ermöglichen sich einem zahlreiche Beobachtungen.


So haben wir es in dieser Woche im Ritterfalter erlebt:

 

Ein Kind füllt die Linsen einzeln mit den Fingern in die Eihüllen ein und zählt vor sich her. Ein anderes Kind benutzt die gelben Plastikeier als Schöpflöffel. Und wieder andere Kinder probieren mehrfach, die mit Linsen befüllten gelben Eier zu schließen und zu öffnen.

Gar nicht so leicht, stellen sie vielleicht fest und bitten mitunter um Hilfe. Die Zähne und der Mund sollten in der Einrichtung nicht zum Einsatz kommen, das haben wir den Kindern erklärt.

„Probiere es mit deinen Fingern. Drücke das Ei fest zusammen. Du schaffst das.“

Mit der verbalen Hilfestellung unterstützen wir Pädagog*innen das Kind auf dessen Wunsch hin. Das schafft Vertrauen und fördert die Geduld. Nicht zuletzt sind wir Sprachvorbilder und vermitteln und festigen beiläufig (für die Kinder) Vokabeln.


Ein anderes Kind entdeckte das Schubfach mit Holzperlen: „Ich möchte das.“

„Möchtest du eine Perlenkette auffädeln? Nimm dir die Holzkiste. Stelle sie auf den Tisch. Was brauchst du noch? Ich gebe dir eine Nadel.“ bietet dem Kind eine mögliche verbale Unterstützung durch uns Pädagog*innen an.


Eine mit Naturmaterialien bestückte Sammelbox (Sonnenblumenkerne aus eigener Ernte, gesammelte Haselnüsse und Kastanien, siehe vorangehende Artikel) soll die Kinder ebenfalls zum Entdecken einladen. In der Sammelbox enthalten sind zudem Pinzetten, Holzstäbchen und Porzellanschälchen.

Die Fotos zeigen die Materialienerkundung eines Kindes. Zunächst füllte es die kleinen Gefäße mit allen vor sich liegenden Materialien (in einzelnen Fächern sortiert) bis zum Rand auf. Das Kind war über einen längeren Zeitraum hin mit dieser Aufgabe beschäftigt. Es probierte jedes Hilfsmittel aus, zumeist nahm es die Finger beider Hände zur Hilfe. Das Kind richtete seinen Blick auf und sah sich im Raum um.

Ich fragte das Kind, ob ich mich dazu setzten dürfte. (Auch die Fotos nahm ich hier nur mit dessen Einverständnis auf.) Ich nutzte den Moment und fragte, ob es die Pinzetten ausprobieren möchte. Es zeigte mir die Holzstäbchen.

„Ah, du hast mit den Holzstäbchen die Sonnenblumenkerne genommen. Mit der Pinzette, vor dir liegt sie, klappt das bestimmt auch sehr gut.“

In der direkten Ansprache und Zuwendung können wir den Kindern unbekannte Dinge direkt betiteln. Zum Umgang (Spiel) mit allen Materialien im Raum gehört ebenfalls die Wiederherstellung der Ausgangslage. Die Kinder beenden ihre erwählte Aktivität mit dem Zurückräumen der Materialien.

Das Kind in diesem Beispiel erhielt von uns weitere verbale Anreize/Impulse, um diese Aufgabe bewältigen zu können, sprich, den eigenen Arbeitsplatz zu beräumen.

„Benötigst du meine Unterstützung? Was darf ich sortieren? Darf ich auch einige Maiskörner einsammeln?“ usw.

Spielen, experimentieren und vieles mehr findet in verschiedenen Phasen statt. Nicht immer macht uns alles Spaß, packt unser Interesse, schafft Lust und Freude. Durchhalten, ausprobieren, mit- und weitermachen und vieles mehr kann die individuellen Fertig- und Fähigkeiten positiv beeinflussen sowie die Konzentration und Geduld bündeln.


Auch das Kehren um den Aktionstisch herum unterstützt die Kinder beim Erlernen alltäglicher Arbeiten. Das Kind im Beispiel ließ die Linsen einige Male vor sich auf den Boden rieseln. Im Anschluss kehrte es die Hülsenfrüchte wiederholt zusammen.

 


Ein Kind hält uns während der gemeinsamen Mahlzeit eine Mandarine entgegen: „Ich kann nicht.“

„Probiere mal mit deinen Fingern, die Schale zu öffnen. Drücke den Fingernagel in die Mandarine. Du hast es gleich geschafft.”

Dank Geduld und Zuversicht (auch der Hand-Augen-Koordination) ist es dem Kind möglich, trotz anfänglicher Schwierigkeiten ans begehrte Obststück zu gelangen. Guten Appetit!

 


In diesem Beitrag sind längst nicht alle Bildungsbereiche mit deren möglichen Kompetenzgewinnen interpretiert und abgebildet. Hier ist den Leser*innen ein eigener Interpretationsspielplatz geboten.

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