Von Ostermäusen und bunten Hasen

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Ein Bericht von Christian Diller

 

Im Mariendorfer Weg gibt es viel Grün. Auch an der Hermann-Sander-Grundschule. Zwei große Höfe, ein Schulgarten und einige versteckte Ecken – gut möglich, dass dort auch eine oder mehrere Hasenfamilien leben. So genau weiß das keiner. Aber dass es kurzzeitig Hasen an der Hermann-Sander gab, das ist gewiss!

Denn, pünktlich kurz vor den Osterferien, machte sich die Klasse 2a auf in den vierten Stock, wo getöpfert wird.

 

Einige kennen den Weg, sind regelmäßige BesucherInnen der Keramik-AG. Für andere war es der erste Kontakt mit Ton. Wie schon angeklungen, ging es jahreszeitgemäß daran einen kleinen Hasen zu formen. So viele Schritte sind es nicht bis zum Ziel, aber einige davon haben es schon in sich.

Zum Anfang für die „alten Hasen“ das altbekannte Spiel, für die Neuen eine Herausforderung: den Ton zu einer Kugel klopfen. Nach meteoriten-, ei-, kisten- und pyramiden-förmigen Zwischenstadien gelangten wir alle glücklich ans Ziel. Das Feintuning besorgen dann die Handflächen. Wie beim Brötchenbacken werden die Kugeln glatt gerollt und schön rund gemacht.

Um anschließend das ganze Werk wieder zu zerstören – zuerst lassen wir die Kugeln auf dem Tisch aufklatschen. Die ebene Seite unten wird unsere Standfläche. Dann drücken wir die Kugel zusammen und patschen sie von oben her wieder etwas flacher. So wird sie ähnlich einem länglichen halben Ei. Und dann noch in die Standfläche ein Loch reinkratzen, Ton rausschaben und dabei die schöne Rundung, die gerade eben entstanden ist, beim Festhalten nicht zerdrücken. Die erste große Hürde war damit geschafft.

 

Eine kleine Kugel (etwas angespitzt und ebenfalls mit Loch versehen) weiter werden die beiden Teile aneinandergesteckt und die Verbindungsstelle sorgfältig miteinander verstrichen. Das Gebot „sorgfältig“ ist hier von größter Wichtigkeit – sonst fällt das angefügte Teil später einfach ab und lässt sich schwerlich wieder ankleben. Eine große Herausforderung. Aber nachdem jede und jeder Einzelne mit mir zusammen die Bewegung geprobt, einmal den Ablauf und notwendigen Kraftaufwand gespürt haben, ist selbst eine solch komplexe Aufgabe zu meistern.

 

Für die Ohren war der Ausgangspunkt wiederum eine geometrische Grundform – welche die Kinder bei diesem Angebot ganz nebenher verinnerlichen – ein länglicher Zylinder, bzw. eine dicke Wurst/Schlange. Man schneide sie längs in zwei Teile. An der Schnittseite streiche man wieder längs mit seinem Finger eine Spur ein. Dann diese Delle nach außen drehen, hinten am Kopf befestigen – fertig ist das Hasenohr. Dasselbe mit der anderen Hälfte. Dann kommen noch die Augen, Nase und Mund. Ganz zum Schluss, na was wohl? Eine Kugel! Diesmal die kleinste von allen. Ganz hinten randrücken und nur unten feststreichen – fertig ist das Stummelschwänzchen.

 

Unterdessen waren fast zwei Stunden vergangen. Zeit für eine Pause. Alle vier Stockwerke wieder runter, auf den Hof und die ganze Konzentration raustoben. Das Ende unserer österlichen Keramik-Tour gestaltete sich farbenfroh – die Pötte mit den Engoben standen schon bereit. Mit ihnen kann direkt auf den frischen Ton gemalt werden. Eine kleine Einweisung und los ging ein emsiges Treiben, bei dem der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren. Die Bilder beweisen es.

 

Pünktlich zur Mittagspause den Raum aufgeräumt, die Tische gewischt und die Stühle hoch gestellt waren wir durch mit unserem Programm – gerade so. Die zweite Gruppe der Klasse wartete schon. Sie kamen am nächsten Tag in den vierten Stock. Es war erneut ein Erblühen der Schaffenskraft, des Gestaltungswillens der Hände und des eigenen Selbstvertrauens – ein Erblühen, das nicht ohne Mühen zustande kommt. Deshalb aber umso beständiger andauert.

 

Ausgeliefert wurden die fertigen Hasen noch pünktlich zum letzten Schultag vor den Ferien. Vielleicht durfte einer der Hasen ja schon mal im Park hoppeln, vielleicht ist sogar einer ausgebüxt und gründet gerade irgendwo eine farbenfrohe neue Familie? Ein neues Zuhause haben alle gefunden – bei ihren stolzen Schöpferinnen und Schöpfern.

 

 

 

Übrigens: Eine der „alten Häsinnen“ merkte an, während wir den Kopf anbrachten, dass ihr Hase eher einer Maus als einem Hasen gleichen würde. Bis zum Ende und trotz aller Korrekturen änderte sie ihre Meinung nicht. Und brachte schließlich konsequenter Weise einen Mäuseschwanz statt eines Stummelschwänzchens an. So hat sich in die Schar der Hasen eine Hasenmäuslein mit langen Ohren UND langem Schwanz eingeschlichen und fühlt sich dort herrlich wohl.

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