Interview mit der Schulleitung der Richard-Wagner-Grundschule

09.02.2016

Wilfried Wolff, Schulleiter der Richard-Wagner-Grundschule, und Bärbel Haueis, stellvertretende Schulleiterin, sprachen in einem kurzweiligen Interview mit Katja Kruckow über die vielfältigen Aufgaben, die SOCIUS im Schulalltag übernimmt.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit SOCIUS an der Richard-Wagner-Grundschule?
Bärbel Haueis: Wir haben wirklich eine sehr gute Zusammenarbeit. In der „freien Betreuung“ sind es immer zwei KollegInnen, die sich um die Kinder kümmern. Es finden sehr enge Absprachen mit den LehrerInnen statt, so dass die ErzieherInnen um die Probleme der Kinder wissen und diese auffangen können, zum Beispiel mit einer Einzelbetreuung. Es gibt Kinder, die manchmal im Unterricht nicht so gut aufgehoben sind, und die brauchen dann einfach ein bisschen Zuwendung, die sie im Offenen Ganztagsbetrieb auf jeden Fall bekommen.

Was hat Sie damals zur Entscheidung für SOCIUS als freien Träger bewogen?
Wilfried Wolff: Ich war etwas enttäuscht vom staatlichen Hort. Wir hatten nicht viele KollegInnen, und die, die wir hatten, waren nicht immer alle da. Die Unterstützung, die der staatliche Hort anbot, war nicht optimal und die ErzieherInnen, die vor Ort waren, haben wirklich gekämpft, aber es gab z.  B. einfach keine Vertretung für krankheitsbedingte Ausfälle. Daher haben wir uns entschlossen, einen freien Träger zu nehmen. Zuerst wollte ich SOCIUS allerdings gar nicht haben, denn ich favorisierte einen anderen Bewerber. Maria Pfennig hat jedoch sowohl mich als auch die Damen und Herren der Schulkonferenz überzeugt.

Bärbel Haueis: Den ganz großen Pluspunkt machte sie mit der Darlegung, wie sie mit ihren KollegInnen arbeiten möchte: mit dieser sozialen Komponente. So etwas hatte unser Hort von der Schulaufsicht vorher leider nicht erfahren. Wie sie das Gesundheitsmanagement und Ähnliches angedacht hat, davon konnten wir uns durchaus etwas abschauen. Diese Dinge machen einen Wert aus.

Wilfried Wolff: Ich war nicht so sehr überzeugt, dass ich gleich meinen Favoriten aus dem Rennen geworfen hätte, aber sie haben mich alle überstimmt. Das war für mich ein etwas schwieriger Anfang. Aber von Monat zu Monat ließ ich mich immer mehr überzeugen!

Bärbel Haueis: Die Zusammenarbeit ist gewachsen. Die Mitar­beiter von SOCIUS mussten sich als Team in die Schulorganisation einfinden und wollten dabei anders sein als der staatliche Hort, weil sie wussten, dass wir damit Probleme hatten. Das war – von außen betrachtet – für die KollegInnen auch kein einfacher Prozess.

Wilfried Wolff: Hinzu kommt, dass einige LehrerkollegInnen, die gut mit den ErzieherInnen aus dem staatlichen Bereich zusammengearbeitet hatten, diese nicht verlieren wollten. Einige KollegInnen hatten Vorbehalte und es dauerte eine ganze Weile, ehe diese ausgeräumt waren. Aber nach zwei Jahren waren wir dicke Freunde!

Es gibt ein paar Sachen, die wirklich ausgezeichnet sind: SOCIUS stellt eine ganz große Zahl von ErzieherInnen bereit. Hinzu kommt ein hoher Anteil männlicher Erzieher – es sind knapp 50 Prozent – und eine sehr gute Altersmischung.

Bärbel Haueis: Eine solche Altersmischung gibt es normalerweise im Schulbetrieb nicht, weil es keinen Wechsel gibt: Wer sich wohlfühlt, bleibt, bis er alt ist.

Wilfried Wolff: Dann kommt hinzu, dass SOCIUS eine sehr gute Arbeit auf dem Gebiet der Evaluation und der Selbstevaluation leistet; die eigene Arbeit wird permanent untersucht. Zudem gefällt uns sehr gut, dass das Team eine Doppelspitze hat. Es gibt 2 ½ Leitungsstellen – das hat man im staatlichen Bereich nicht, da gibt es eine Leitungsstelle und eine Vertretung, die auch noch eine Gruppe betreut. Das ist hier auch so, aber die Doppelspitze ist wichtig, weil sie sich die Aufgaben teilen kann.

Bärbel Haueis: Das passt bei uns vor allem deswegen sehr schön, weil wir zwei Gebäude haben.

int_riwa_02Wilfried Wolff: Dann finden wir gut, dass SOCIUS viele Zusatzaufgaben übernimmt. Zum Beispiel sind die KollegInnen stark in der Essenkommission involviert. Hinzu kommen das Schwimmen und der musikalisch-künstlerische Bereich, den sie mit Percussion und Trommeln und Auftritten im Bezirk unterstützen. Das geht weit über die Arbeit in den AGs hinaus: Wenn wir nicht zu den Auftritten gehen können, vertreten sie uns gut. Auch bei der Ausgestaltung von Konzerten bei der Einschulung kann man immer auf sie zählen. Wenn beispielsweise Technik zu installieren ist, dann machen sie das für uns. Dies gehört nicht zu ihren originären Aufgaben, aber sie machen es. Weil sie dicke Freunde sind! Zudem haben sie einen sehr schönen Schulgarten installiert und leiten unsere Lernwerkstatt; im Moment noch hauptamtlich, denn wir haben noch keinen Lehrer gefunden, der dort aktiv mitarbeiten wird. Also kümmern sie sich und schauen bei anderen Schulen, wie man es macht, welche Materialien man braucht … Wir sind wirklich begeistert.

Gegenüber dem staatlichen Offenen Ganztagsbetrieb hat SOCIUS keine zusätzlichen räumlichen, materiellen oder finanziellen Ausstattungen bekommen. SOCIUS muss also mit den knappen Räumen und Ressourcen, die vorhanden sind, klarkommen. Sie holen aus all dem das Optimum heraus, was wir hier vor Ort an Bedingungen haben.

Bärbel Haueis: Wir hatten gerade ein Feedback einer Kollegin einer anderen Schule, die sagte, dass sie so etwas noch nie erlebt hat: Die SOCIUS-Mitarbeiter sind so unterstützend im Unterricht und fangen die Kinder auf, wenn es einen Ausfall im Vormittagsbereich gibt. Sie „horten“ die Kinder nicht, sondern sind wirklich für sie da, und das wird von den Kindern gern angenommen. Wenn der Unterricht ausfällt und gesagt wird, ihr müsst in den Offenen Ganztag gehen, dann rufen alle „Jaaa!“. Auch die Ferienarbeit ist aus meiner Sicht ganz abwechslungsreich. SOCIUS holt sich von außerhalb Unterstützer, die mit den ErzieherInnen Projekte entwickeln, und am Ende wird alles den Eltern präsentiert.

int_riwa_03Wilfried Wolff: Ein weiteres großes Highlight ist der Entspannungsraum, der „Snoezelenraum“, der hergerichtet wurde. Das alles sind zusätzliche Dinge, die sie nicht machen müssten – aber sie machen es.

Bärbel Haueis: Oder der Aktivraum: Das ist ein zusätzlicher Raum, in dem Kinder sportlich aktiv werden können, da in der Sporthalle nachmittags für den Offenen Ganztagsbetrieb kaum Platz ist. Aber ist die Halle mal frei, findet dort spontan eine Betätigung statt. SOCIUS ist nicht so, wie man sich manchmal Hort vorstellt: Sie stehen nicht auf dem Schulhof und beobachten die Kinder, sondern sind mittendrin und immer dabei. Es wird Tischtennis gespielt und ist der Fußballplatz frei, spielt man mit den Kindern spontan Fußball, oder es gibt Wettbewerbe. Das ist für die Kinder sehr schön, das muss man sagen.

In der Klassenstufe 3 bis 4 wird „freie Arbeit“ gemacht, die den Kindern größeren Freiraum ermöglicht und die Selbstständigkeit viel stärker entwickelt. Die Kinder müssen auf einem Aushang vermerken, wo sie sich aufhalten; das klappt sehr gut. Nachmittags findet bei uns Instrumentalunterricht statt, für jedes Kind zu einer anderen Zeit. Dafür hat sich SOCIUS eine Menge einfallen lassen: auf dem Schulhof wurden Uhren installiert. Jede halbe und jede volle Stunde ertönt ein Gongschlag, so dass sich die Kinder orientieren können, bis sie so weit sind, dass sie es selbst schaffen. Herr Wolff hat Recht: Es wird immer wieder hinterfragt, ob wirklich die beste Lösung gefunden wurde oder ob man noch etwas verbessern kann.

Wilfried Wolff: Zusammengefasst: Die hohe Flexibilität des freien Trägers erleichtert eine unkomplizierte und partnerschaftliche Zusammenarbeit!

Bärbel Haueis: Die haben außerdem wirklich gute Leute, die auf ihren speziellen Gebieten tätig sind und die ErzieherInnen unterstützen, besonders auch diejenigen, die bei ihnen in der Ausbildung sind. Wenn etwas ist oder auffällt und man sagt: „Ich brauche unbedingt Frau Freudiger, die Beraterin für Kinderschutz“, dann ist sie nächste Woche schon da. Das ist ganz toll.

Die Elternarbeit müsste man noch erwähnen. Da gibt es überhaupt keine Probleme. Die ErzieherInnen sind in den Gremien vertreten, stellen sich den Anregungen der Eltern und sind immer bemüht, Dinge zu optimieren, wenn es doch mal Probleme geben sollte. Und natürlich die gute Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung, die immer vor Ort ist.

Wilfried Wolff: Ja, wenn wir mal ein Problem haben, dann ist Frau Pfennig sofort hier. Dass wir in den höchsten Tönen von der Geschäftsleitung sprechen, kann gern erwähnt werden. Niemand ist zwischengeschaltet, es ist ein direkter Kontakt. Herr Glaß ist auch an der Basis. Das sind sehr gute Ansprechpartner.

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