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Wer hilft Kindern & Eltern in der schlimmsten Zeit?

02.01.2020

ein Bericht von Denny Hellmann, Oskar und Baldur

Sammeln für einen guten Zweck

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit in der wir öfters als sonst an Andere und für Andere denken. Außerdem wird das ablaufende Jahr betrachtet, mit allen positiven, aber auch negativen Ereignissen. Im Zuge der Erinnerung mussten wir viel an den schweren Verkehrsunfall im Kiez denken. Hierbei kam es zu zwei Todesfällen innerhalb einer Familie. Unter den Angehörigen war auch ein Kleinkind, welches noch weitere Geschwister hat und diese seit dem Moment mit der Trauer tagtäglich umgehen müssen. Im Zuge des Unfalls kamen wir auf den Trauerverein, von denen es sehr wenige in Berlin und Brandenburg gibt und schon gar nicht spezialisiert auf Kinder.  Daher spendeten wir alle Einnahmen der Weihnachtswerkstatt in Höhe von 500 € an „TrauerZeit – Zentrum für trauernde Kinder und Familien Berlin Brandenburg e.V.“, um so Kinder und Familien in Notsituationen nach dem Tod zu unterstützen.

 

Was tut der Verein „TrauerZeit“?

Der Verein arbeitet vorrangig mit Kindern und Jugendlichen, die zu früh und aus verschiedenen Gründen zu Halbwaisen oder sogar zu Vollwaisen geworden sind oder auch nach dem Tod eines Geschwisterteils. Viele von ihnen mussten sich mit plötzlichem Herzversagen, Krebs, Suizid oder einem Unfall auseinandersetzen. Nicht wenige waren oder sind durch die besonderen Todesumstände traumatisiert. „TrauerZeit“ arbeitet altersspezifisch und angepasst mit den erlebten Umständen. Nach einem ersten Kennenlernen und einem Termin im Zentrum, können sie mit der Familie bzw. der Bezugsperson gemeinsam schauen, was für das betroffene Kind oder den Jugendlichen und die momentane Situation hilfreich ist.

TrauerZeit begleitet Kinder und Jugendliche im Trauerprozess mit ganz unterschiedlichen Angeboten und Methoden (Kreative Trauerbegleitung, Gespräche, Spiele, Kinder- und Jugendtrauergruppen).

Für Betroffene, die es nicht schaffen, das Zentrum vor Ort zu besuchen, bietet „Trauerzeit“ auch die Möglichkeit der mobilen Trauerbegleitung im häuslichen Umfeld.

Interview mit Simone Rönick, der Gründerin von „TrauerZeit e.V.“

Oskar und Baldur aus der 6a besuchten die Gründerin im Vereinszentrum in Berlin Buch und befragten Sie genau nach den Aktivitäten von „TrauerZeit e.V.“.

 

 

1. Was machen Sie im Zentrum für trauernde Kinder und Familien?
Wir begleiten Kinder und Jugendliche, bei denen ein wichtiges Familienmitglied zu früh verstorben ist.

2. Wer kommt zu Ihnen?
Kinder und Jugendliche, die jemanden in ihrem Leben verloren haben und voller Frust und Trauer sind, aber auch Eltern, Erzieher und Pädagogen, die wissen wollen, wie Kinder trauern und wie man helfen kann.

3. Wie lange kann die Begleitung von Trauernden dauern?
Die Begleitung dauert immer so lange, wie die Personen brauchen und das ist bei Jedem anders. Meist geht es über das erste Jahr hinaus.

4. Wie vielen Betroffenen haben Sie schon geholfen?
Wir haben schon ca. 3000 bis 4000 Kindern seit 2006 geholfen.

5. Hilft allen Kindern Ihre Begleitung?
Die Begleitung hat bis jetzt den allermeisten Kindern und Jugendlichen geholfen, um mit dem Tod des Elternteils umzugehen.

6. Warum helfen Sie den Betroffenen?
Ich habe meine Schwester mit 30 Jahren verloren. Sie war depressiv und hat sich das Leben genommen und alle waren total geschockt. Nach dem Tod meiner Schwester habe ich ihre beiden kleinen Kinder zu mir genommen. Einige Jahre später ist dann noch mein Mann gestorben und ich war jung verwitwet, mit 4 Kindern. Es gab damals nirgendwo Hilfe und Unterstützung nach dem plötzlichen Tod für junge Familien und erst recht nicht für Kinder. Das fand ich ganz unglaublich und ich entschied mich dann später, mich beruflich weiter zu qualifizieren und mich im Bereich Psychotherapie und Trauerbegleitung fortbilden zu lassen. Mittlerweile hatte ich viele Menschen kennengelernt, die mich bestärkten in der Idee, in Berlin ein Zentrum zu gründen. Und so kam es 2005 zur Gründung des Vereins und 2009 zur Gründung des ersten Zentrums für trauernde Kinder in Berlin.

7. Was macht Ihnen an dem Job am meisten Spaß?
Es ist kein „Job“, – wenn man es genau nimmt, ist es eine tolle Aufgabe. Wir sehen in unserer Arbeit zwar zuerst die schlimmen Schicksalsschläge und wie schlimm es den Menschen dann oft geht, aber mit der Zeit geht es ihnen immer besser und es so schön, zu sehen, dass durch unsere Arbeit jungen Menschen geholfen wird, trotz des schlimmen Verlustes wieder glücklich zu werden.

8. Wie lange gibt es den Verein schon?
Unser Verein existiert seit 2005. Seit 2009 haben wir eigene Räume und konnten somit dann in einem eigenen Zentrum nach und nach immer mehr Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche anbieten.

9. Gibt es noch andere Standpunkte in Deutschland?
Wir haben leider keinen weiteren Standort in Deutschland, dafür reicht das Geld momentan nicht. Aber wir sind mit unseren Mobilen Trauerbegleitern in Berlin und dem angrenzenden Brandenburg unterwegs.

10. Wie finanzieren Sie sich?
Wir finanzieren uns aktuell nur über Spenden. Gerade bekommen wir einen Zuschuss zur Mobilen Trauerbegleitung und einige Sponsoren finanzieren die Kinder- und Jugendlichentrauergruppen, sowie einen Teil der Miete für unser schönes Zentrum.

11. Was war die höchste Spende?
Die höchste Spende, die wir je bekommen haben, waren 50.000€ von der „Sparda Bank“. Erst dadurch konnten wir überhaupt die Angebote für Kinder und Jugendliche starten.

12. Wie helfen Sie den Betroffenen?
Wir unterdrücken den Tod nicht, sondern reden ganz offen und normal über ihn und machen ganz viel Kreatives. Wir reden auch ganz viel über die Gefühle, die beim Trauern auftreten. Unsere Angebote sind zum Beispiel: Familiengespräche, Beratung, Einzelgespräche mit den Kindern oder Jugendlichen, Kreatives Arbeiten und Spiel mit Kindern, angeleitete Trauergruppen für Kinder und Jugendliche und auch Fortbildung für das Umfeld der Kinder.

13. In welchen Zustand kommen die Betroffenen zu Ihnen?
Die Kinder und Jugendlichen, oft auch die ganze Familie, kommt oft vollkommen hilflos und überfordert zu uns, weil sie einfach überhaupt nicht auf den Tod vorbereitet waren.

14. Kommen auch Leute wegen verstorbenen Tieren zu Ihnen?
Das passiert nicht so oft, meist sind tatsächlich die Eltern oder Geschwister gestorben. Wenn sich aber Kinder bei uns deshalb melden, können wir natürlich gute Tipps zum Trauern und auch tolle Bücher empfehlen.

15. Zählen auch Geflüchtete zu den Betroffenen?
Ja, aber nicht so oft. Warum das so ist, wissen wir nicht genau, obwohl sie ja Gründe hätten. Wir vermuten, dass die fehlende Sprache dazu führt, unser Angebot nicht in Anspruch zu nehmen.

16. Unternehmen Sie auch Ausflüge mit den Betroffenen?
Ja, wir machen oft Ausflüge und einmal im Jahr auch ein Sommerfest. An dem Tag lassen wir Luftballons mit Briefen und Wünschen an die Verstorbenen steigen.

17. Gibt es nur Einzelberatungen oder auch Gruppenberatungen?
Wenn eine Familie oder eine Schulklasse betroffen ist, machen wir auch Gruppenberatungen.

Wir bedanken uns recht herzlich für die Möglichkeit des Interviews und wünschen dem Verein viele Spenden, sodass weiterhin Kinder in ihrer Trauer professionell unterstützt werden.

Spenden werden dankend angenommen. IBAN: DE72 1009 0000 2264 5490 03

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