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Vögel haben keinen Mund! Aber was denn dann?

23.03.2022

Ein Bericht von N. Böhm

„Das ist doch verrückt! Warum haben Vögel keinen Mund?“
„Na, weil sie doch einen Schnabel haben!“

So viel Verwunderung erfuhren wir in der letzten Woche, als wir ein Ausmalbild einer Krähe präsentierten.

Anlassbezogen ergriffen wir Pädagog*innen der vorschulischen Sprachförderung die Chance und leiteten prompt ein neues Spracherwerb-Thema ein.

Aber beginnen wir mal ganz von vorn:

Auf dem Schulhof der Brüder-Grimm-Grundschule steht ein sehr hoher, sehr breiter, sehr alter Baum. Dieser ist noch immer blätterlos, denn der Frühling hat gerade erst begonnen. Gut für uns! Denn als Menschenkind, am Boden stehend, lässt sich so ganz wunderbar der Flugverkehr der Vögel beobachten. Rückkehrende Gänse sind zu hören, noch bevor man sie in einer pfeilartigen Formation vorbeifliegen sieht. Und die Tauben gurren von den Dächern, und selbst die Krähen sind tüchtig zugegen.

Unser besonderes Interesse erregte eine einzelne Krähe. Sie flog umher, platzierte sich immer wieder an der gleichen Astgabelung, flog davon und wieder zurück. Immer hatte sie etwas in ihrem Mund… „Nicole, was hat der Vogel im Mund?“ Welch wundervolle Vorlage für ein kleines Projekt.

Das Kind, zunächst war es nur eines, und ich kamen ins Gespräch. Wir grübelten und wollten ganz genau sehen, wohin der Vogel flog, was er zurück zum Baum transportierte und was das alles eigentlich sollte. „Ah, das ist ein Nest, für ein Baby!“, stellte ein anderes Kind fest.

Spannend, wir sollten den Vogel weiter beobachten. „Kannst du ein Foto machen?“, bat mich das Kind. Klar! Leider sind die Aufnahmen nicht sehr gelungen, denn der Baum ist wirklich sehr sehr hoch gewachsen. Und schnell ist der Vogel auch noch.

Hier haben wir ihn mit den Dingen, die er im Schnabel hält, fotografiert:

 


„Was meint ihr, wollen wir auch ein Nest bauen?“, fragte ich die interessierten Kinder. Ihr mögt es vielleicht nicht glauben, aber geschwind wie der Wind zogen die Kinder über den Schulhof und sammelten emsig auf, was für einen Nestbau passend erschien. Die Sammlung trugen wir gemeinsam zu unserem Raum und legten diese behutsam auf ein Deckchen aus. Wir versammelten uns in einem Sitzkreis, vor uns lagen all die Baumaterialien.


Doch bevor wir mit dem Nestbau beginnen konnten, trugen wir unsere Beobachtungen und unser bisheriges Wissen zusammen. Ein gedrucktes Bild einer Krähe half uns, auf Wortschatzsuche zu gehen. „Wie nennt man das?“, ich tippte auf den Schnabel. „Das ist sein Mund!“, platzte es aus einigen Kindern heraus. „Weil der essen muss!“, fügte ein Kind wissend hinzu. Stimmt! Ich wollte wissen: „Wer hat einen Mund?“ Flink melden sich die ersten Kinder zu Wort: „Ich hab einen Mund.“, „Und ich auch.“, „Vogel hat nicht einen Mund!“

Die Kinder sahen mich an, erwartungsvoll, irgendwie. Ich löste auf und erklärte ihnen, dass alle Vögel einen Schnabel haben. Die Kinder wiederholten das Wort leise vor sich hin und rückversicherten sich im Verlauf unseres Gespräches: es ist und bleibt ein Schnabel.


Mit einer Feder, unsere Bastelfeder ist knallrot, zogen die Vorschüler*innen Vergleiche mit den schwarz-grauen Federn der Krähe. Und dass diese auch zum Fliegen wichtig sind, klärten wir ebenfalls.


Endlich konnten wir uns dem Nestbau widmen. „Wir wohnen in einem Haus, nicht im Nest“, stellte ein Kind fest. „Mama hat ein Baby“, wurde zeitversetzt angemerkt. Dass Vögel auch ein Baby bekommen, dies aber Küken genannt wird, besprachen wir beiläufig. Der Bau eines gemeinsamen Nestes schritt zügig voran. Der Vogel braucht wahrscheinlich mehr Zeit für sein Nest.

Unser Ergebnis kann sich in jedem Fall sehen lassen. Zum Glück bildet eine Dekoschale die Basis für all die Stöckchen und losen „Strohballen“.


Für den ersten Tag – von der Beobachtung bis hin zum eigenen Nestbau – haben wir viel geschafft. Am folgenden Tag lagen plötzlich klitzekleine bunte Schokoeier in unserem Nest. Nanu!


Zusätzlich unterstützte ein großes Buch über Vögel das Modellieren eigener Eier. Die verschieden aussehenden Eier (kleinere, größere, bunte, einfarbige) im Buch ließen die Kinder erstaunen. Jedes Kind durfte das Geheimnis eines Bilderbucheis lüften.

Und im Anschluss an die Nascherei und die Buchbetrachtung formten wir zahlreiche Eier aus Ton für unser eigenes Vogelnest.

Die Freude und das Interesse am gemeinsamen Projekt bleibt bestehen. Bestimmt werden wir schon bald Küken für unser Nest gestalten. Lasst euch überraschen!

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