Interview mit Bezugserzieherin Katrin Bollenbach

15.02.2016

int_katrin_bollenbach_01Katrin Bollenbach, gelernte Bürokauffrau, machte ihre Ausbildung bei SOCIUS an der Richard-Wagner-Grundschule. Dort leitet sie die Theater-AG. Sie sprach mit Christina Cassim.

Was war für dich der Grund, in den Erzieherberuf zu wechseln?
Ich komme eigentlich aus einer Erzieher-Lehrer-Familie und wollte erst mal etwas ganz anderes machen. Mit meinem Job als Bürokauffrau war ich aber immer unzufrieden: die Routine, die ewige Arbeit am Schreibtisch, …  Oft habe ich darüber nachgedacht, was ich stattdessen machen könnte. Zwei Jahre lang habe ich dann an einem Veranstaltungsort in Griechenland für Kinder aus deutschen Orchestergruppen Unterkünfte koordiniert. Nach dem Auslandsaufenthalt war mir klar: So kann es nicht weitergehen! Eine Freundin von mir arbeitete damals schon bei SOCIUS und wir haben uns oft über ihre Tätigkeit als Erzieherin unterhalten. Vorher war mir gar nicht klar, dass man als Erzieherin auch an einer Grundschule arbeiten kann. Das hat schließlich mein Interesse geweckt, mich bei SOCIUS für eine Ausbildung zu bewerben. Buchstäblich von einem Tag auf den anderen habe ich damals vom 31. August auf den 01. September 2011 von einer Tätigkeit in die andere gewechselt.

War die Umstellung auf ein völlig anderes Arbeitsumfeld nicht sehr anstrengend?
Überhaupt nicht. Anfangs begleitet man eine erfahrene ErzieherIn, kann die Erfahrung der anderen mit einfließen lassen und bekommt viel Unterstützung. 2011 hatte SOCIUS gerade erst mit der Ganztagsbetreuung an der Richard-Wagner-Grundschule begonnen, da war alles neu und musste sich erst finden. Ich hatte das Glück, ein sehr gutes Team vorzufinden und baute ein freundschaftliches Verhältnis besonders zu einer Kollegin auf, von deren Erfahrungen ich sehr profitieren konnte. Zu Beginn habe ich mir alle Abläufe genau aufgeschrieben, aber nach zwei Wochen war ich schon gut eingearbeitet. Ziemlich schnell hatte ich dann auch die Möglichkeit, eine eigene Klasse zu übernehmen.

Hat dir der schulische Teil der Ausbildung in der Praxis geholfen?
Auf jeden Fall. Man erfährt etwas über den pädagogischen Hintergrund, über das Instrumentarium für die Beobachtungsstunden und man reflektiert insgesamt sehr viel. Es gibt ja einen Ausbildungsplan, der abgearbeitet werden muss. Einmal im Monat findet ein Treffen mit dem Mentor statt, bei dem geschaut wird, was umgesetzt wurde, was gut oder auch schief gelaufen ist und wie man anderes verbessern kann. Damals hatte ich schon mit der Theater-AG angefangen und da läuft natürlich nicht immer alles rund. Es gibt auch immer die Möglichkeit, sich im Team mit den KollegInnen zu beraten und auszutauschen.

Kannst du von deiner beruflichen Vorerfahrung bei deiner jetzigen Tätigkeit profitieren?
Vor allem bin ich fit am Computer. Ich kann Excel-Tabellen erstellen, blind tippen und so weiter. Darin kann ich den KollegInnen meine Unterstützung anbieten, denn viele sind damit nicht so vertraut. Ich schreibe zudem viele Artikel für den Paukenschlag, die Schulzeitung der Richard-Wagner-Grundschule. Beim Schreibstil musste ich mich allerdings umgewöhnen – schließlich hatte ich gelernt, Geschäftsbriefe zu schrei­ben. Ich bin aber auch ein kreativer Mensch, habe viele Ideen, immer schon einen Plan B, falls es mit Plan A nicht klappt, …

Wo siehst du nun die Vorteile gegenüber deinem alten Beruf?
Jeder Tag ist anders. Man weiß nie, was kommt. Bei der Arbeit mit den Kindern erhält man immer eine direkte Rückmeldung und es gibt viele schöne Momente. Gestern nach der Theaterprobe kam ein Mädchen aus der vierten Klasse mit einer Zeichnung zu mir und sagte: „Bolli, das ist für Dich und ich möchte mich bedanken, dass ich hier dabei sein darf.“ So was ist natürlich sehr motivierend. Zurzeit bin ich in den Klassenstufen 1 – 2 tätig, was wirklich sehr schön ist. Ideal wäre, wenn man die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse begleiten könnte, dann hätte man wirklich eine enge Beziehung zu ihnen.

Wie gestaltest du die Theater-AG?
Schon ein halbes Jahr, nachdem ich hier angefangen habe, haben wir zur Zeugnisausgabe Sketche gespielt. Später begann ich dann mit einer eigenen Gruppe. Zurzeit besteht sie aus 30 Kindern von der ersten bis zur vierten Klasse. Wir fragen nach, wo die Interessen der Kinder liegen. Wir improvisieren dann zu diesen Themen und ich schreibe dazu etwas auf. Daraus entwickeln wir das Stück. Jedes Kind bekommt eine Rolle. In die Theaterarbeit bin ich so hineingewachsen und im nächsten Jahr würde ich das gern mit einem Studium zur SpielleiterIn vertiefen. Das Schöne an SOCIUS ist, dass all solche Dinge ermöglicht werden.

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