Interview mit der Schulleiterin der Wilhelm-von-Humboldt-Schule

07.03.2016

Judith Bauch, Schulleiterin der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule, sprach mit Christina Cassim über die umfangreichen Aufgaben, die SOCIUS im Schulalltag übernimmt. Es ist eine ganz besondere Partnerschaft.

Frau Bauch, die Wilhelm-von-Humboldt- Schule verfolgt ein ganz besonderes und in Berlin einzigartiges Konzept. Welche Rolle spielt dabei die Ganztagsbetreuung?
An der Wilhelm-von-Humboldt-Schule besteht das Konzept des Gemeinsamen Lernens von der ersten Klasse bis zur Oberstufe, in der jahrgangs- und fächerübergreifend individuelles, kooperatives Lernen inklusiv und mit größtmöglicher Chancengleichheit ermöglicht werden soll. In einem rhythmisierten Ganztag findet ein Wechsel aus An- und Entspannung, aus Unterrichts- und Freizeitphasen statt. Der Ganztag, in dem LehrerInnen und ErzieherInnen in den Lerngruppen als Team auf Augenhöhe eng miteinander zusammenarbeiten, bildet dabei eine wesentliche Säule.

Die Aufgabe der ErzieherInnen besteht zum einen in der Unterrichtsbegleitung. In der „gebundenen Freizeit“ haben sie dann zum anderen die Möglichkeit, ein Angebot ihren Neigungen entsprechend anzubieten und ihre Begeisterung für spezielle Themen an die Kinder weiterzugeben. Schließlich stehen sie in der „freien Freizeit“ als Betreuung und Vertrauenspersonen zur Verfügung. Die wesentliche Rolle des Ganztags ist also im Schulkonzept verankert und wurde schon bei der Übernahme durch SOCIUS ausgehandelt.

In der Ganztagsbetreuung an der Schule gibt es eine Mischkooperation mit staatlichen ErzieherInnen und SOCIUS als freiem Träger. Wie wirkt sich das aus?
Als ich 2009 an die Schule kam, wusste ich lange Zeit gar nichts von dieser Mischkooperation. Tatsächlich kommt das im Alltag überhaupt nicht zum Tragen; der Schulalltag ist für alle gleich geregelt. Den staatlichen ErzieherInnen war freigestellt, ob sie ihre Arbeitsverträge im Öffentlichen Dienst beibehalten wollen. Alle neuen ErzieherInnen werden von SOCIUS eingestellt. Inzwischen besteht das Team aus vier ErzieherInnen vom staatlichen Dienst und von SOCIUS sind es 25 MitarbeiterInnen inklusive SozialpädagogInnen und sechs SchulhelferInnen.

Die Vorzüge, die die SOCIUS-MitabeiterInnen genießen, zum Beispiel die Behandlung durch einen Masseur alle paar Wochen, stehen den SenatserzieherInnen trotzdem offen. Dieses Willkommenheißen der KollegInnen hat mich beeindruckt und es wirkt sich sehr positiv auf das Arbeitsklima aus. Andere Vorteile für SOCIUS-MitarbeiterInnen können natürlich nicht ausgeglichen werden – beispielsweise werden Klassenfahrten von SOCIUS mit Freizeit vergütet. Aber da muss jeder persönlich seine Entscheidung abwägen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit SOCIUS in Bezug auf die Schulziele?
Die Kooperation hat über all die Jahre gut zusammengepasst. Auf der Schulleitungsebene ist die Kommunikation ausgesprochen direkt und unkompliziert. Mit Maria Pfennig hat man eine herausragende Partnerin, die die Fähigkeit hat, Dinge neu zu denken und für jedes Problem kreative Lösungen anzubieten. Es gibt einfach ein Grundverständnis für das Gesamtkonzept, so dass man sich über die Veränderung von Strukturen verständigen kann und diese unterstützt und ermöglicht werden.

Auch als Mitglied der Schulkonferenz ist Frau Pfennig eine Bereicherung: Es macht einfach Spaß, wenn jemand die herkömmlichen Grenzen überschreitet und weiter denkt. Hinzu kommt durch ihre Person ein wesentlicher Vernetzungsfaktor. Sie kann Praxisbeispiele aus anderen Schulen anführen oder Hinweise auf wertvolle Netzwerkpartner geben.

Insgesamt erhält man von SOCIUS eine schnelle und unbürokratische Unterstützung, beispielsweise in schwierigen Team­entwicklungsphasen durch eine Moderation von Dörte Pasternack de Romero. Entlastend sind auch die Flexibilität bei der Personalausstattung und die unkomplizierte Bereitstellung von Ersatz im Krankheitsfall. Das tut dem System total gut. Durch derart flexible Unterstützung wurde zum Beispiel auch eine gemeinsame Dienstberatung mit ErzieherInnen und LehrerInnen ermöglicht, für die SOCIUS eine externe Pausengestaltung organisiert hat. Im Normalfall ist es nicht machbar, dass alle sich treffen können, da immer eine Gruppe im Dienst ist. Das war schon großartig!

Ein riesiges Plus ist außerdem die hohe künstlerische Qualität der Ferienprojekte, da hat SOCIUS wirklich ganz tolle Leute zu bieten.

Wie wird das freie Lernkonzept an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule beispielsweise mit den zentralen Prüfungen in Einklang gebracht?
Wir wollen die Neugier der Kinder entfalten, ihre Interessen entwickeln und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten stärken. Sie sollen von Anfang an Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Mit der Stärkung und der Entwicklung dieser Kompetenzen machen wir die Kinder und die Jugendlichen fit für die Zukunft. Am Ende der Schulzeit stehen die zentralen Prüfungen an. Hier muss sich der Heranwachsende einer kritischen Messung unterziehen. Auch hierauf bereiten wir die Jugendlichen intensiv vor. Ein Grundsatz bleibt aber, die gängigen Messraster zu vermeiden. Vielmehr erfolgt die Leistungsrückmeldung nach der Frage: Wie sehr habe ich mein Potential ausgeschöpft?

Der Erfolg gibt uns Recht: Deutschlandweit gehören wir zu den wenigen Schulen, die beim Übergang von der sechsten auf die siebte Klasse ganz wenige Kinder verlassen: 93 bis 98 Prozent bleiben an unserer Schule. Entsprechend begehrt sind die wenigen freie Plätze, die wir anbieten können. Unser nächstes Ziel ist der Start der gemeinsamen gymnasialen Oberstufe mit dem Oberstufenzentrum Elinor Ostrom in der Driesener Straße zum Schuljahr 2016/2017.

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