Glücksfänger des Frühlings

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Ein Bericht von Christian Diller

Nach einem langen, dunklen und kalten Winter lassen die Sonnenstrahlen das erste Grün sprießen, die ersten Blumen erblühen und wecken die Lebensgeister. Diese Geister waren in früheren Vorstellungen eng verbunden mit den Pflanzen, die den Menschen anzeigten, dass der Frühling wirklich gekommen war.

Das Anliegen der Keramik-Werkstatt ist es, dieses Wissen weiterzugeben. Dies taten wir in den vergangenen Osterferien in Kooperation mit unserer Pflanzenpädagogin Heike Thomas – natürlich eingebettet in den künstlerisch-handwerklichen Rahmen der Keramik.

SchülerInnen aus der Brüder-Grimm-Grundschule und der Pettenkofer Grundschule nahmen das Angebot wahr und begaben sich auf eine außerordentliche Erlebnisreise. Zuerst haben wir uns gefragt, wie die Menschen früher wohl ohne Kalender und ohne Uhren herausgefunden haben, wann der Frühling wirklich da ist. Die Antwort wussten die meisten schon: durch die Beobachtung verschiedenster Pflanzen – wann sie blühen, sich zum ersten Mal aus der kalten Erde heraustrauen und nach oben zur Sonne sprießen.

Es stecken lauter tolle Geschichten hinter den Pflanzen. Wo liegt wohl ein Schatz begraben? Wozu wird Efeu verwendet? Auf was kann man schreiben, wenn man kein Papier hat? Die Kinder wissen es jetzt.

Und noch mehr: Der Saft der Birke schmeckt nicht nur lecker, er rauscht auch deutlich hörbar im Stamm, wenn wir unser Ohr daran legen. Der Gundermann ist ganz unscheinbar, wenn man ihn draußen wachsen sieht. Zerreibt man ihn zwischen den Fingern, so entströmt ihm ein feines Lakritz-Aroma. Das klingt schon lecker, oder? Aber traut man sich, das wirklich mal zu essen? Na klar – denn die letzten Zweifel waren wie weggeblasen, als das Menü kredenzt wurde: grüne zarte Blätter, eingetaucht in flüssige weiße Schokolade.

So hörten wir nicht nur von den Lebensgeistern – wir spürten sie auch am eigenen Leib. Doch wie erhält man sie über die ersten sonnigen Tage hinaus? Ganz einfach: wir schmücken unser Zuhause damit und bringen sie so in die Wohnung und zu unseren Familien. Gebannt in Form kleiner Kunstwerke – natürlich aus Keramik.

Verschiedenfarbiger Ton wurde vermischt und zu Platten ausgerollt. So entstand ein toller Marmor-Effekt. Auf diese Platten wurden die Blätter und Blüten der verschiedenen Pflanzen gelegt und eingepresst. Zum Schluss überlegten wir uns schöne runde, ovale oder eckige Formen und schnitten sie aus den Platten heraus. Nun musste nur noch bemalt werden. Nachdem die Blätter getrocknet und waren und abgezogen werden konnten, kamen die Umrisse der Blätter und Blüten zum Vorschein. Die guten Geister der Pflanzen waren somit als Medaillons in eine dauerhafte Form gebracht, die den Frühling überdauert. Auch hübsche Namensschilder entstanden auf diese Art und zeigen an, für wen das Glück bestimmt ist. Es entstanden zarte, farbige und gleichzeitig urwüchsige Schmuckstücke, die wie selbst gewachsen scheinen.

Zum Schluss suchte sich jedes Kind farbige Schnüre und Perlen aus der Werkstatt zusammen und legte alles in eine kleine Box – eine eigene für jedes Kind.

Die Schmuckkästchen kamen, garniert mit Rätseln und Informationen über die Pflanzen und ergänzt durch die fertig gebrannten Medaillons, einige Tage später in den Schulen an. Noch flugs einen Stock gesucht, und schon konnten mit den ErzieherInnen Glücksfänger daraus gebaut werden, welche die Liebsten und das Heim behüten und erfreuen.

 

So gehen Wissen, Erlebnis, Ästhetik und Zuneigung Hand in Hand.

Noch einen Artikel zu diesem Thema kann man hier lesen!

Und hier noch einige Eindrücke in unserer Bildergalerie. Sie öffnet sich mit einem Klick auf ein beliebiges Bild!

 

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