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Der Gute und der Böse Rauch – Projekttag Räucherschale

05.03.2019

Ein Bericht von Christian Diller

 

Die Keramik-Werkstatt veranstaltet über das Jahr hinweg Projekte, welche sich an den Jahreszeiten orientieren und, neben keramischen Fertigkeiten, Kindern die Geheimnisse der Pflanzen und den mit ihnen verknüpften Traditionen näherbringen.

 

Als Abschluss des Jahreskreises stand das Räuchern auf dem Programm.

Diese Möglichkeit nahmen die Brüder-Grimm und die Pettenkofer-Grundschule in Anspruch.

Zuerst galt es zu klären, was Räuchern eigentlich bedeutet – heute kein ganz alltäglicher Begriff mehr. Bei dieser Praxis scheiden sich die Geister, aber dazu später mehr.

Natürlich weiß jeder, was Rauch oder rauchen bedeutet. Das man dies aber früher nutzte, um zu reinigen, Ungeziefer zurück zu drängen und gute Geister ins Heim zu lassen, das war den meisten neu.

 

Um den Sinn zu verstehen ist eine kleine Reise in eine Vergangenheit nötig, die andere Häuser, andere Lebensumstände kannte. Ein hochinteressanter Ausflug für die Kinder – kennen die meisten doch nur glatte, saubere Wohnungen und vielleicht noch Räucherstäbchen, um diesen etwas Atmosphäre zu verleihen. Umso faszinierender, sich in eine Welt zu versetzen, wo alles um einen herum – auch die Häuser – pure Natur und voller (oft auch nicht willkommenem) Leben waren. Während heutzutage gerade die Kinder unseren kleinsten Mitbewohner auf Erden meist positiv und voller Faszination betrachten, war das früher natürlich anders. Da galt es besonders zu Beginn und auch am Ende der kalten Jahreszeit die Wohnung ordentlich durchzulüften – aber halt nicht mit frischer Luft, sondern mit Schwaden von ätherischen Düften, welche unerwünschte Insekten vertrieben und gleichzeitig für Wohlgeruch sorgten.

 

Bevor wir dies in Echt ausprobieren konnten, haben wir uns der Herstellung einer kleinen Räucherschale gewidmet. Im Grunde ein recht einfacher Prozess – wir stellen eine formschöne Kugel her, schneiden sie in der Mitte durch und höhlen die beiden Hälften aus.

Das Zusammenfügen der beiden Einzelteile muss dann mit großer Sorgfalt erledigt werden. Einfach nur zusammendrücken hält nicht. Also lernten die Kinder den „Schlicker“ kennen. Das ist Ton, der mit Wasser verflüssigt wird und eine Art Matsch ergibt. Dieser klebt, wie Mörtel, die beiden Hälften zusammen. Da man nach dem Zusammenfügen dem Objekt Ruhe gönnen muss und es nicht mehr anfassen darf, war dies unser vorletzter Arbeitsschritt. Davor haben wir noch schöne Verzierungen und Muster angebracht.

 

Um den zusammengeklebten Räucherschalen ihre notwendige Ruhepause zu geben, haben wir in der Zwischenzeit nicht nur eine ausgiebige Mittagspause auf dem Hof gemacht und uns ordentlich ausgetobt. Sondern wir haben auch das Räuchern selbst ausprobiert:

Etwas Vogelsand in die Schale geben, ein Stück Räucherkohle nehmen und diese vorsichtig anzünden. Dann knistert es und kleine Funken fliegen. Die tiefschwarze Kohle verwandelt sich langsam in graue Asche. Und das wird ordentlich warm, wie die Kinder – nachdem wir fertig waren – an der Räucherschale ertasten konnten. Ohne Räucherwerk nützt aber die schönste Hitze nichts.

Auf die glühende Kohle streuten wir also eine selbstgemachte Räuchermischung. Bestehend aus Lavendel, Mariengras und Rosenblüten. Sofort war die Werkstatt erfüllt von duftenden Gerüchen.

 

Und hier kommen die sich scheidenden Geister wieder ins Spiel. Während die eine Hälfte der Kinder sofort näher an das Räucherwerk heranrückten, um sich an dem Wohlgeruch zu laben, war es für die andere Hälfte eher ein Grund, möglichst weit zu fliehen. Ich muss gestehen, auch ich gehöre zu letzterer Hälfte. Da der Sommer 2018 sich aber bis in den November zog, war all dies kein Problem. Am offenen Fenster werkelten die Feuergeister weiter vor sich hin und die Düfte zogen ab ins Freie. Mit der einen Hälfte der Kinder schnuppernd am Fenster, der anderen behutsam atmend auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes.

Schlussendlich mussten wir alle uns aber gemeinsam wieder an den Werkbänken sammeln. Es galt die Räucherschalen zu bemalen. Wer damit fertig war, der durfte sich aus einem bunten Vorrat aus Mariengras, Lavendel und Rosenblüten eine eigene Räuchermischung zusammenstellen. Noch rasch eine kleine Tüte beschriften, die Mischung dort einfüllen, etwas Sand in einem Plastiktütchen dazu und zwei Stück Räucherkohle. Schon war alles gemacht und die vier Stunden in der Werkstatt schon wieder vorbei.

 

Entspannt, belebt und fröhlich verließen die Kinder die Werkstatt und freuten sich auf ihre fertigen Werke, welche zwei Wochen später schön verpackt in der Schule auf sie warteten.

 


 

 

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