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Dem Plastik auf den Grund gehen

08.07.2019

Ein Bericht von Nina Oelschlägel und Gérard Leitz

(Fotos von Gérard Leitz, aufgenommen bei einem Strandspaziergang in Griechenland)

Nina Oelschlägel hat sich für eine ihrer Hausarbeiten dem Thema „Vermüllung der Weltmeere durch Plastikabfall“ gewidmet. Für die Webseite stellt sie, gemeinsam mit Gérard Leitz, diesen Bericht verkürzt und zum Nachlesen zur Verfügung.

 

 

Es ist bunt oder durchsichtig, hart oder biegsam, preiswert und aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken – Plastik. Ob als Einkaufstüte, Flasche oder Kinderspielzeug, aber auch in Duschgels oder sogar in unserer Kleidung. Überall findet sich Plastik, als nützliches und bezahlbares Material wieder, einst begeistert als die großartige Innovation der modernen Gesellschaft.

Doch was passiert, wenn wir das Multitalent nicht mehr brauchen?

Im April diesen Jahres berichteten die internationalen Medien, von einem Wal, welcher vor der italienischen Insel Sardinien qualvoll verendete. Der trächtige Wal starb mit 20 Kilo Plastik im Magen (vgl. FAZ 2019). Was wie ein trauriger Einzelfall klingt, ist harte Realität. „Mehr als 90 Prozent der Schäden an der Tierwelt sei auf Plastik zurückzuführen“ (vgl. ebd.).

Unser Plastikmüll landet zu großen Teilen im Meer und schädigt dort die Umwelt, die Tiere und über Umwege auch uns.

Aber nicht nur in der Ferne landet Plastik in den Mägen von Tieren. Auch in unseren Parks oder sogar den heimischen Zoologischen Gärten wurden schon mehrere der dortigen BewohnerInnen mit vergleichbaren Mengen im Magen tot aufgefunden.

 

 

 

 

Gibt es Alternativen oder Lösungsansätze, um das Problem und die Gefahren die davon ausgehen, in den Griff zu bekommen? Um diese Frage sollte es in dieser Hausarbeit gehen, denn eines ist gewiss: Wenn wir weiterhin so achtlos mit unserem Plastikmüll umgehen, werden wir unseren Lebensraum zerstören.

In Deutschland denken wir gerne, wir hätten eine weiße Weste. Das wird auch gerne durch die „geschönten“ Recyclingquoten untermauert, den wir verfrachten unseren Müll lieber nach China, Indonesien oder auf die Philippinen. Und somit gelten die Tonnen von Müll als recycelt. Viele alltägliche Gegenstände können gar nicht wirklich wiederverwertet werden, wie z.B. Tetrapacks oder Kaffekapseln mit ca. 8.000 Tonnen Verpackungsmaterial, die jährlich in Deutschland anfallen. Und was geschieht damit? Sie werden verbrannt und verschmutzen so die Luft oder sie landen wie viele andere, große und kleine Plastikteile im Meer!

Dadurch entstehen durch die Strömungen der Meere sogenannte Müllstrudel, wie z.B. der Great Pacific Garbage Patch. Dieser befindet sich im Nordpazifik, er misst fast 1.600.000 km² und ist damit viermal so groß wie Deutschland (vgl. Zeit 2018). Plastik braucht im Meer sehr lange um sich zu zersetzen. Durch Sonneneinstrahlung, Meeresbewegungen und Reibung werden Plastikteile im Meer in immer kleinere Teilchen zersetzt. Niemand kann bislang abschätzen, wie lange diese Plastikteilchen tatsächlich in der Umwelt bleiben. Die folgenden Zahlen basieren auf Beobachtungen zu Beginn des Abbauprozesses und werden dann entsprechend hochgerechnet, es lässt sich jedoch nicht sagen, ob der Abbau zu Beginn schneller vonstattengeht und somit können die folgenden Zahlen nur als grober Richtwert betrachtet werden.

 

Hier wiederum sehen wir den Kreislauf unseres Plastikverbrauchs. Das ist wie mit unserem Karma, alles was wir aussenden kommt auch zu uns zurück! Im Guten wie im Schlechten.

 

 

 

 

Und was wird dagegen getan?

Mit dieser Frage haben sich schon viele WissenschaftlerInnen beschäftigt, einige ihrer Lösungsansätze führen wir hier kurz auf:

  • The Ocean Clean Up, bei dem mit U-förmigen Netzen der Müll aus dem Meer entfernt werden soll.
  • Fishing for litter: Diese Methode ist üblich an Nord- und Ostseehäfen. Die Fischer können an diesen Häfen den versehentlich aus ihren Netzen gesammelten Müll kostenfrei am, Hafen abgeben. Im Gegenzug bekommen sie „Big bags“, um den Müll darin zu sammeln so wie kostenfreie Reparatur ihrer Netze.
  • Der Cradle-to-cradle-Ansatz: Zu Deutsch heißt dies „von Wiege zu Wiege“. Hier wird das Recyclingkonzept überarbeitet und als Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft
  • Verbot von Plastik: Bereits in einigen Ländern oder Städten ist die Nutzung von Plastik komplett bzw. teilweise verboten. Sogar am Flughafen werden Koffer kontrolliert, um die Einfuhr von Plastik in diese Länder zu verhindern. Zu diesen vorbildlichen Ländern zählen Costa-Rica, Kenia, Neu-Delhi, Ruanda, San Francisco, Neuseeland, Bangladesch und in China.

Und was kann ich dagegen tun?

  1. Nimm Deine eigene Tasche mit!
  2. Nutze wiederverwendbare Flaschen
  3. Nimm Deine eigene Tasse mit!
  4. Packe Dein Mittagessen in eine Lunchbox!
  5. Sag Nein zu Strohalmen und Plastikbesteck!
  6. Lass die Hüllen weg! Also, die Plastikhüllen! 😉
  7. Sag lieber: „Hier essen“ als „To go“.
  8. Hebe Reste in Einmachgläsern auf.
  9. Sag’s weiter! 🙂

Wir hoffen, wir konnten die eine oder den anderen von Euch dazu inspirieren, etwas mehr auf den eigenen Plastikmüll zu achten und ihn zu vermeiden.

 


Abschließen möchten wir mit einem Zitat von Bonnie Monteleone, einer Meeresbiologin und „Rebel Girl“:

„Ich vergleiche das Problem gerne mit einer überlaufenden Badewanne, während der Wasserhahn läuft. Was würdest du als Erstes tun? Das Wasser vom Boden aufwischen? Oder nicht lieber zunächst den Wasserhahn schließen und dann erst das Chaos beseitigen? Das Plastik da draußen wird täglich mehr, weil wir noch keinen Weg gefunden haben, den Menschen beizubringen, wie sie ihren Müll vernünftig entsorgen sollen und dass Plastik recycelt werden muss…“

(Bonnie Monteleone, Meeresbiologin, 2010)

 

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